4 Esel 12 Beine op Jöck

08.07.2018

Der Saumweg von Campello Monti hinauf zur Bocchetta di Campello war gut zu gehen. Dann kam der erste Bach. Er plätscherte und gluckste anders als der ‚Übungsbach‘. Es dauerte 15 Minuten bis Pepe mit gutem Zureden diesen vorsichtig durchquerte. Paula hatte größere Probleme. Ich erhöhten den Druck auf sie, in dem ich mit Pepe um die nächste Biegung ging. Nun aber wollte Pepe unbedingt zurück, da er Paula nicht mehr sah. Günter schaffte es zum Glück, Paula, mit einem kleinen Schubs in den Bach, zur Durchquerung zu bringen und tauchte dann hinter dem Felsvorsprung mit ihr auf. So beruhigte sich Pepe und wir setzten den Weg fort.
An etlichen Stellen konnte man zurück auf das tief unten liegende Campello Monti mit den, mit Steinplatten gedeckten Häusern schauen. Insbesondere Pepe blieb des öfteren stehen und schaute in die Ferne und ins Tal hinab.
Weiter ging es hinauf, nun felsig und teils sehr stufig und steil. Wir konnten es kaum glauben, aber Paula und Pepe kletterten, stiegen und sprangen Stufen hinauf die bis über einen Meter Höhe aufwiesen. Ich musste oft Pepe schnell Platz machen, da er bereits neben mir ankam.
So schafften wir es relativ schnell auf die Passhöhe, Bocchetta di Campello in knapp 2000 m Höhe. Ein sagenhafter Rundblick, nur die Spitzen des Monte Rosa Massivs versteckten sich in den Wolken. Auch unsere Vierbeiner schienen den Ausblick zu genießen, denn sie schauten lange umher bevor sie sich den Gräsern und Kräutern widmeten.
Abwärts ging’s erst wieder steil, dann gemächlich in das schöne Dörfchen Rimella-San Gottardo an einer exponierten Felsnase auf ca. 1300 m Höhe. Im dortigen Rifugio del Walser hatten wir uns vier angemeldet. Der Wirt war erstaunt, das wir wirklich mit zwei Esel kamen. Er hatte dies für einen Scherz gehalten und meinte, wir seien die ersten Eselwanderer auf diesem Weg, die er sehen würde.
Mit einem vorzüglichen Essen peppelte man uns Zweibeiner wieder auf, derweil unsere Langohren oberhalb grasten. Das stabil gebaute Walserhaus war urgemütlich hergerichtet, auch wenn unsere rustikale Kemenate, die im Keller lag, nur über eine schmale und steile Treppe zu erreichen war, was den Eindruck erweckte, als ginge es in ein Verlies. Auch die dicken Mauern und gerade die Bogenfenster im Obergeschoss verstärkten den burgähnlichen Eindruck.
Am nächsten Morgen gab’s ein reichhaltiges, gutes Frühstück. Dann gingen wir den Hauptdorfweg hinunter und schauten uns am zentralen, hübschen Dorfplatz den Kern jeder Walsersiedlung, Brunnen, Kirche, Gemeinschafts- und Backhaus, an. Bevor wir an den Parkplatz und die Fahrstraße kamen bot uns ein jungen Mann, der alte Häuser zur Vermietung herrichtete, ein Bier an.
Weiter ging es durch den Hauport, Rimella Chiesa, und dann den Wanderpfad tief in die bewaldete Schlucht hinein. Beim, auf der anderen Talseite erfolgenden Aufstieg, kamen wir durch zwei verlassene Weiler mit Kirche. Ein wenig Kraxelei noch und wir standen etwas unverhofft auf der Terrasse des Rifugios Obru Huüsch. Herzliche Gastgeber, ein deftiges, überreiches Abendessen, ein dem gemäßes Frühstück und das Angebot für uns Wäsche zu waschen, machten den Aufenthalt in diesem einsam gelegenen Walserhaus zu einem tollen Erlebnis.
Dabei wiesen sie uns auf eine Passage in 2- 3 km hin, die evtl. mit unseren Vierbeinern nicht zu gehen sei. Wir schauten sie uns noch am selben Tag an, und mussten feststellen, dass die Seilsicherung nicht umsonst an der schrägen, feucht-rutschigen Felsplatte angebracht war. Wir bauten in zweistündiger Arbeit einen Weg mit Trittstufen oberhalb und hofften, dass Paula und Pepe diesen würden sicher nutzen können.
Anderntags die Überraschung, sie gingen den oberhalb angelegten Weg so zügig als sei dies ganz normal für sie. Froh und erleichtert setzten wir unsere Wanderung fort.
Über einen Sattel, 1419 m hoch gelegen und mit schöner Aussicht, ging es hinab ins Valle Baranka auf ca. 1000 m und dieses dann hinauf zur gleichnamigen Alpe. Den Empfang dort auf ca, 1580 m werden wir nicht vergessen. Die kleinere, ältere, knuffige Alda empfing uns, nein, empfing Paula und Pepe mit herzhaftem, hell-kircherndem Lachen. Sie bekam sich kaum noch ein, immer wieder zwischen dem offenherzigen Lachen: Asini, Asini, Asini (Eselchen). Auch sie hatte noch keine Wanderer mit Eseln hier erlebt. Auf der Alpe stand jedoch neben Kühen, Ziegen, Hühnern, und einem Pferd auch ein Esel, der unseren beiden nachstellte, während diese nach kurzem begutachten, sich mehr für das Brot und die Streicheleinheiten, die die Kinder von anderen Gästen ihnen zuteil werden ließen, interessierten. Die vielen anderen Erwachsenen stellten uns die bereits gewohnten Fragen nach unserem Woher, Wohin und besonders nach dem Warum. Auf letzteres Stichwort antworteten wir mittlerweile scherzhaft, wir wollen halt mal schwimmen gehen.
Zur reichhaltigen Abendmahlzeit saßen alle an langen Tischen zusammen wie auch beim guten Frühstück. Die Chefin verabschiedete uns Vier besonders herzlich, wobei ihr freundliches und einnehmendes Lachen immer wieder aufflammte.
Von der Alpe aus, den alten Saumweg mit unbehauenen Steinen der nahen Umgebung gepflastert, hinauf und an dem rauschenden Wasserfall der Baranka vorbei, auf den Colle Baranka, 1818 m.
Unterwegs überraschte uns eine Herde freilaufender Esel. Sie kamen neugierig heran. Auch unsere waren neugierig und blieben stehen. Als jedoch ein Großer Paula heftig nachstellte, nahm sie reisaus und Pepe hinterher. Auch unser ruhiges auf sie Einreden half nichts. Wir mussten zwischen die fremde Herde und unsere Zwei laufen um diese wieder zur Ruhe zu bringen und weiter gehen zu können.
So benötigten wir statt der ca. zwei Stunden laut Wanderführer gut drei Stunden bis zum Colle d‘ Egua auf 2239 m Höhe. Ein wunderschöner, recht weitreichender Blick, insbesondere auf das Monte-Rosa-Massiv, dessen Spitzen sich jedoch wieder in den Wolken versteckten.
Abwärts, fast 1000 Höhenmeter, über schöne Wiesen- und Waldwege, zu dem Sommerfrischler-Örtchen Carcoforo am oberen Ende des Sesia Tals. Das Posto Tappa (PT – die Etappenherberge) befindet sich hier im geräumigen Albergo Alpenrose.

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